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Grundsätzliches zur Selbstverteidigung
Es ist eigentlich nicht richtig, von "dem Selbstverteidigungssystem“ zu sprechen. Das gibt es nicht. Selbstverteidigung ist immer Situationsbedingt und von vielen Faktoren abhängig. Wir sind Menschen und haben unterschiedliche Stärken und Schwächen. Wenn meine Stärken im Kick- oder Thai-Boxen liegen werde ich die dort erlernten Techniken vorraussichtlich auch primär bei der Selbstverteidigung einsetzen - falls mir dies möglich ist! Liegen meine Srärken in den Bereichen Ringen/Judo werde ich vorraussichtlich primär diese Techniken einsetzen - wenn mir dies möglich ist! Wenn ich aber z.B als Kickboxer von hinten umklammert werde, kann ich keine Faust- oder Fußtechniken ensetzen, sondern muß in erster Linie versuche mich aus dieser Umklammerung zu befreien. Letztendlich spielt es keine Rolle wie ich mich verteidige, es muß nur funktioneren.

Faktoren die es zu beachten gilt:
-
Räumlichkeiten/Umgebung/vorhandener Platz
- Kleidung/Bewegungsfreiheit
- Ein Angreifer/mehrere Angreifer
- Angriff erkennbar/Angriff überraschend
- Kämpferische Fähigkeiten des/der Angreifer

Wichtige Punkte zum Thema Selbstverteidigung
Punkt 1:
Grundsätzlich gilt: für die Selbstverteidigung können alle bekannten Techniken eingesetzt werden.

Punkt 2:
Die Reaktion auf einen Angriff muss immer intuitiv erfolgen. Das heißt, die Techniken müssen automatisiert ablaufen, es darf keine Überlegung stattfinden.

Punkt 3:
Hebeltechniken, über die ich erst einmal nachdenken muss wie ich sie ansetze, sind schlichtweg gefährlich.

Punkt 4:
Einfache Techniken, schnell, explosiv und kraftvoll ausgeführt sind in der Regel am effektivsten.

Punkt 5:

Man sollte immer die Techniken einsetzen, bei denen man sich am wohlsten fühlt. Das alles hat seine natürlichen Grenzen. Wenn man in einem vollen Club mit einem Kristallaschenbecher angegriffen wird, kann ich mich nicht mit einem Drehkick zum Kopf verteidigen, sondern muss froh sein, wenn der Angriff für mich sichtbar ausgeführt wird. Wird der Angriff hinter meinem Rücken ausgeführt, ist die ganze Sache letztendlich gelaufen.

Punkt 6:
Vermeide weitestgehend den Bodenkampf, ob auf der Straße oder in einer Kneipe. Man weiß nie, ob der Angreifer wirklich alleine ist.

Punkt 7:
Techniken müssen grundsätzlich erst einmal richtig gelernt werden. Dann muss man sie mit sehr vielen Wiederholungen in den Körper einschleifen. Dann müssen sie regelmäßig mit einem Partner geübt und perfektioniert werden. Es ist auch wichtig, dass die Angriffe hart und mit Kraft erfolgen.

Punkt 8:

Fallschule muss zuerst auf Matten erlernt und geübt werden. Wenn man sicher ist, sollte die Fallschule von Zeit zu Zeit auch auf hartem Boden ausgeführt werden (zuerst vielleicht auf einem Holzboden und dann eventuell sogar auf der Straße). Auch die Partnerübungen sollten regelmäßig ohne Matten trainiert werden. Ansonsten kann das ungewohnte harte Fallen auf der Straße zum Verhängnis werden.

Punkt 9:
Eine gute allgemeine körperliche Fitness verbessert in der Regel die Chancen, bei einem Angriff ohne größere Schäden davonzukommen.

Punkt 10:

Man muss sich darüber im Klaren sein, dass ein Angreifer aus welchem Grund auch immer, eine relativ niedrige Hemmschwelle hat Gewalt anzuwenden. Das bedeutet, dass man selbst immer damit rechnen muss verletzt zu werden (hoffentlich nur leicht) und natürlich auch, dass der Angreifer je nach Gewaltpotential, ebenfalls verletzt wird.

Punkt 11:
Geht nicht davon aus, dass euch geholfen wird.

Punkt 12:
Geht nicht davon aus, dass ein Angreifer aufhört, nur weil ihr am Boden liegt

Was sollte man beherrschen
Dieser Bereich wird unterschiedlich ausgelegt. Im Taekwon-Do ist man oft der Meinung sind, daß die erlernten Block-, Sclag und Kick-Techniken vollkommen ausreichen. Für Angriffe mit den Fäusten und Füßen trifft dies zum Teil auch zu. Auch Stock oder Messerangriffe können theoretisch und oftmals auch praktisch mit einer Blocktechnick und einer nachfolgenden Kontertechnik abgewehrt werden - damit ist aber nur ein Teil der Angriffsmöglichkeiten abgedeckt. Bei Würgeangriffen, Umklammerungen, Schwitzkasten, greifen von Armen/Händen und Kleidungsstücken sind aber auch Befreiungstechniken notwendig. Sollte noch Bodenkampf ins Spiel kommen, was häufig vorkommt, sind Schlag- und Kicktechniken oftmals nicht anzuwenden. Für uns heißt dies, dass für eine effektive Selbstverteidingung auch Techniken/Anwendungen aus anderen Stilen genutzt und eingebunden (erlernt) werden müssen. Neben dem Beherrschen einer einfachen Fallschule, was insbesondere auf der Straße die Verletzungsgefahr erheblich verringert (Judo/Ken-Jitsu), werden daher auch sinnvoll einsetzbare Techniken - Handbefreiungen, Hebeltechniken, Haltetechniken und auch einfache Wurftechniken aus dem Ken-Jitsu und Ringen gelehrt. Es müssen aber auch (ohne große Verletzungsgefahr) anwendbare Schlag- und Kicktechniken erlernt werden, da man im Normalleben in der Regel nun einmal keine Handschützer trägt oder dabei hat.
 
Die Ausbildung umfaßt folgende Bereiche:
- Handhebel/Armhebel/Fußhebel
- Haltetechniken
- Wurftechniken/Takedowns
- Handbefreiungen/Arnbefreiungen
- Greifen von Kleidung
- Greifen von Armen/Händen
- Umklammern
- Würgeangriffe
- Schwitzkasten
- Greifen der Haare
- Stockangriffe
- Messerangriffe
- Schlagtechniken (Hammerfaust, Faustrückenschlag)
- Ellbogentechniken
- Knietechniken
 
Noch ein wichtiger Punkt
Selbstverteidigung zu erlernen, nur zum Zweck der „Selbstverteidigung“, ist mit Sicherheit eine schlechte Basis um Erfolg zu haben. Die Grundlage einer effektiven Selbstverteidigung ist für uns der Kampfsport, die Kampfkunst. Wer keine Freude am Sport, an der Bewegung, am Beherrschen komplizierter Bewegungsabläufe hat, sollte es lieber lassen. Denn sonst ist ein baldiges Ende vorprogrammiert. Viele, oder vielleicht sogar die meisten Kampfsportler trainieren 10, 20, 30 oder noch mehr Jahre und hatten noch nie eine physische Auseinandersetzung zu bestehen. Aber eines zeichnet sie alle aus. Innere Ruhe und Sicherheit, aufgrund des Bewußtseins, einen Sport zu beherrschen, der einem dazu verhilft, andere und sich selbst zu schützen.
 
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